Zecken sind aktive Blutsauger, die uns nicht nur lästig werden können, sondern auch ernsthafte Krankheiten übertragen. Besonders aktiv zeigen sie sich im Frühjahr, wenn wir wieder vermehrt in der Natur unterwegs sind – sei es beim Picknicken, der Gartenarbeit oder einem Waldspaziergang. Das Besondere an den kleinen Krabbeltieren ist, dass sie durch die Klimaerwärmung nahezu ganzjährig aktiv sind. Zecken-Experte Gerhard Dobler erläutert, dass sie bereits bei Temperaturen über null Grad in der Nacht und über fünf bis sieben Grad am Tag aktiv werden. In Deutschland sind sie vor allem im Frühjahr, Frühsommer und Herbst anzutreffen, während sie im Hochsommer weniger aktiv sind – nur etwa 5 bis 10 Prozent der Aktivität im Vergleich zu den Monaten Mai und Juni.
Die häufigste Zeckenart in Deutschland ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), der für die Übertragung von FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Lyme-Borreliose verantwortlich ist. Eine weitere, jedoch seltenere Art, die Menschen befällt, ist die Auwaldzecke. Bereits seit Mitte März haben Dobler und sein Team zahlreiche Holzböcke in Bayern gefunden, was die aktuelle Zeckensaison einläutet. In Deutschland gibt es insgesamt 19 Zeckenarten, die sowohl Menschen als auch Tiere befallen können.
Gesundheitsrisiken durch Zecken
Die Gefahren, die von Zecken ausgehen, sind nicht zu unterschätzen. Bis zum 13. April 2023 wurden in Deutschland 918 Fälle von Lyme-Borreliose und 11 FSME-Fälle registriert. Schätzungen zufolge gibt es jährlich zwischen 80.000 und 120.000 Erkrankungen durch Borreliose. Der Erreger dieser Krankheit, das Bakterium Borrelia burgdorferi, kann sich bei unzureichender Behandlung zu chronischen Erkrankungen entwickeln. Häufige Symptome sind grippeartige Anzeichen und Hautrötungen. Leider gibt es keine Impfung gegen Borreliose für Menschen, was die Prävention umso wichtiger macht.
Die FSME hingegen tritt hauptsächlich zwischen April und Juli auf, kann aber auch im Winter vorkommen. Besonders in Risikogebieten, wie Teilen von Bayern, Baden-Württemberg sowie einigen Regionen in Hessen, Thüringen und Sachsen, sind etwa 1 bis 5 Prozent der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert. FSME kann zu schwerwiegenden neurologischen Schäden führen, und die Sterblichkeitsrate liegt bei 1 bis 2 Prozent. Umso wichtiger ist es, sich in diesen Gebieten impfen zu lassen – die Impfung besteht aus drei Dosen innerhalb eines Jahres und sollte alle fünf Jahre aufgefrischt werden.
Schutzmaßnahmen und Verhalten in der Natur
Um sich vor Zeckenstichen zu schützen, sind einige einfache, aber effektive Maßnahmen empfehlenswert. Dazu zählen das Tragen langer, heller Kleidung, das Stecken der Hosenbeine in die Socken und die Verwendung von zeckenabweisenden Mitteln. Nach Aufenthalten in der Natur sollte man sich gründlich nach den kleinen Plagegeistern absuchen, da sie in der Regel 2 bis 4 Stunden krabbeln, bevor sie zustechen. Wichtig zu wissen ist, dass die Übertragung von Borreliose-Erregern erst nach etwa 24 Stunden erfolgt.
Wurde man dennoch von einer Zecke gestochen, ist es ratsam, diese schnell zu entfernen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Die Entfernung sollte mit einer Zeckenzange erfolgen, ohne die Zecke zu quetschen, da dies das Risiko erhöht, Erreger in den Körper zu übertragen. Entfernte Zecken können zudem auf Krankheitserreger untersucht werden.
Klimawandel und Zeckenaktivität
Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf die Zeckenpopulation und deren Aktivität. Milde Winter führen dazu, dass Zeckenpopulationen zunehmen können. Die Häufigkeit von Zeckenstichen und damit verbundenen Krankheiten könnte durch die steigenden Temperaturen weiter ansteigen. In Deutschland sind mittlerweile 185 Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen, darunter neue Gebiete wie der Landkreis Nordsachsen und der Stadtkreis Halle (Saale).
Mit einem bewussten Umgang in der Natur und der richtigen Vorbereitung können wir uns jedoch effektiv schützen. Gerade in einem zunehmend wärmer werdenden Klima ist es wichtig, die eigenen Risikofaktoren zu kennen und Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um gesund durch die Outdoor-Saison zu kommen.